Sonntag, 22. März 2009

Die Kunst des Scheiterns



Freitagabend, 24. August 2007 in der NDR-Talkshow: Das ist mutig, wenn einer nicht hinterm Berg hält mit seiner Abhängigkeit von Kokain und Crack, seinem finanziellen Zusammenbruch und seiner Verzweiflung am Leben. Liedermacher Konstantin Wecker erzählt von seinem Scheitern, von der Zeit, als vom einstigen Glamour nichts mehr übrig war - und er macht Mut, zu sich selbst zu stehen, auch zu dem, was daneben gegangen ist.

Im Juni ist er 60 geworden. 60 Jahre - und ein bisschen weise. In seinem Buch Die Kunst des Scheiterns - Tausend unmögliche Wege das Glück zu finden spielt die Lebensweisheit eine große Rolle. Wecker, der sich selbst einen typischen Herdplattenanfasser nennt (alles selbst ausprobieren muss), sagt: Das, was man in dieser Gesellschaft als Erfolglosigkeit versteht, muss nicht wirklich eine Erfolgslosigkeit sein für die innere Entwicklung.

Scheitern gehört zum Menschsein dazu. Scheitern im Kreis der Weight Watchers. Scheitern in Beziehungen, an Idealen. Es einfach nicht schaffen, was wir so gut vorhaben. Die Prüfung nicht bestehen. Mit der Firma in roten Zahlen landen.

Willkommen im Club. Wie viele Flugversuche sind gescheitert, bevor es dann endlich geklappt hat mit dem großen Traum vom Fliegen.

Wenn wir in die Bibel schauen: Lauter Biographien, wo das Scheitern eine große Rolle spielt:
Der Apostel Paulus hat sehr darunter gelitten - und welche Antwort hat er bekommen? Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!

Wenn Gott mit Menschen etwas vorhat, dann sucht er nicht die makellosen Siegertypen aus, sondern die, die was vom Scheitern verstehn.

C.G. Jung hat mal gesagt: Ein kräftiges Leid erspart oft 10 Jahre Meditation.

Es fällt mir nicht leicht, mit dem Scheitern umzugehen, wie Rita Süssmuth zu sagen: Hinfallen ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass wir immer einmal mehr aufstehen als hinfallen.

Es fällt mir nicht leicht, wie Alexis Sorbas nach dem Zusammensturz einer Brücke zu lachen und zu sagen: Hast du jemals etwas so schön zusammenkrachen gesehen? - und danach Sirtaki zu tanzen.

Aber das, was der Konstantin Wecker erzählt hat, das hat mir Mut gemacht, mich mit dem Scheitern zu versöhnen. Das ist menschlich.

Lach mal drüber. Nimms nicht so tragisch. Nimm dich selbst nicht so ernst. Nobody is perfect. Versuch doch auch mal, Sirtaki zu tanzen! - Und schau, es hat dich verändert, es hat dich weiter gebracht!

(Quelle: Heidrun Kuhlmann = www.seelenfutter.de)

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